Nationalsozialismus als Rankünelehre. Ressentiments, Missgunst und das politische Spiel – damals wie heut
Donnerstag, 15. Januar 2026, 19:00 Uhr
Haus der Niederlande, Alter Steinweg 6/7, 48147 Münster
Drs. Siebo Janssen
Lesung und Podiumsdiskussion Warum gewinnen Hass, Missgunst und politische Irrationalität wieder an Einfluss? Und warum scheinen demokratische Gesellschaften erneut anfällig für autoritäre Verführungen zu sein?
Der niederländische Essayist Menno ter Braak gehört zu den schärfsten Kritikern des Nationalsozialismus und zu den hellsichtigsten Intellektuellen der europäischen Zwischenkriegszeit. In seinem 1937 verfassten Essay „Nationalsozialismus als Rankünelehre“ analysiert er den Nationalsozialismus nicht nur als politische Ideologie, sondern als emotionale Dynamik: als Mobilisierung aus Kränkung, Neid und ressentimentgeladener Selbstüberhöhung. Kurz nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in die Niederlande nahm ter Braak im Mai 1940 sich das Leben. Sein Text liegt nun – mehr als 85 Jahre nach der niederländischen Erstausgabe – erstmals vollständig auf Deutsch vor.
Der heute ungebräuchliche Begriff Ranküne bezeichnet Hass um des Hasses willen – ein Gefühl, das keineswegs der Vergangenheit angehört. Wie Bas Heijne in seinem Vorwort „Mit dem Mut der Verzweiflung“ betont, ist Ressentiment längst ein globales Grundrauschen autoritärer Bewegungen. Ter Braaks Analyse erweist sich damit als überraschend aktuell und hochgradig gegenwartsbezogen.
Der Politikwissenschaftler und Historiker Siebo Janssen spannt den Bogen von den Verträgen von Locarno 1925 bis in unsere Zeit und macht deutlich, dass es in der Geschichte immer wieder Weggabelungen gab – Momente der Verständigung, die auch scheitern konnten. Ausgehend von ter Braaks Gedanken zeigt er, warum politische Ranküne, Hass und Irrationalität heute erneut an Einfluss gewinnen und die liberale Demokratie nicht nur national, sondern weltweit herausfordern.
Im Anschluss an die Lesung laden wir zu einer Podiumsdiskussion ein: über historische Erfahrungen, gegenwärtige Gefährdungen – und über die Frage, was wir aus ter Braaks Analyse für unser heutiges demokratisches Selbstverständnis lernen können.
Kooperation mit: Universität Münster Zentrum für Niederlande-Studien, wissen.leben, Interreg Deutschland – Nederland, Stichling voor Cultuur & Solidariteit / Vereinigung für Kultur und Wohlfahrtspflege.
TAG DES GEDENKENS AN DIE OPFER DES NATIONALSOZIALISMUS
Dienstag, 27. Januar 2026, 16:00 Uhr
Kranzniederlegung am Zwinger an der Promenade, 48143 Münster
Dienstag, 27. Januar 2026, 16:30 Uhr
Ökumenischer Gedenkgottesdienst in der Lambertikirche, 48143 Münster
Am Dienstag, dem 27. Januar ist der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“. Der Tag erinnert uns an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahr 1945.
Das Gedenken in Münster beginnt um 16:00 Uhr vor dem Zwinger auf der Promenade. Der Zwinger war Hinrichtungsstätte der Gestapo. Vertreter der Stadt Münster, der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit werden dort Kränze niederlegen.
Daran schließt sich um 16:30 Uhr in der Lambertikirche ein ökumenischer Gedenkgottesdienst an, in dem Oberbürgermeister Tilman Fuchs sowie Vertreter und Vertreterinnen der Ratsparteien mitwirken. Die Predigt hält Pfarrer André Sühling, Vorsitzender der ACK.
Zur Kranzniederlegung und zum Gottesdienst wird herzlich eingeladen.
Kooperation mit: Stadt Münster, ACK Münster.
Durchgeführte Veranstaltungen 2025
Weitere bereits in diesem Jahr durchgeführte Veranstaltungen finden Sie im Archiv bei den Tätigkeitsberichten hier…