Gedenken an die erste Deportation aus Münster am 13. Dezember 1941

Sonntag, 14. Dezember 2025, 11:30 Uhr
Gedenktafel Ecke Warendorfer Str. / Kaiser-Wilhelm-Ring

Zu den dunkelsten Kapiteln einer jeden Stadtgeschichte im Münsterland zählt die Verschleppung jüdischer Bürgerinnen und Bürger während des Nationalsozialismus in die Ghettos und Vernichtungslager im besetzten Osteuropa. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster e.V. (CJZ) gedenkt am Sonntag, dem 14. Dezember 2025, um 11.30 Uhr der Menschen aus Münster und dem Münsterland, die vor 84 Jahren, am 13. Dezember 1941, in das „Reichsjuden-Ghetto“ nach Riga deportiert wurden. Dort erwartete viele die Ermordung. Nur wenige überlebten die Jahre des Hungers, der Zwangsarbeit und des Terrors. Alle interessierten Bürger sind zur Gedenkveranstaltung eingeladen, bei der Oberürgermeister Tilman Fuchs und der Vorsitzende der CJZ, Pfarrer Martin Mustroph, an der Gedenkstele an der Ecke Warendorfer Str. / Kaiser-Wilhelm-Ring kurze Ansprachen halten werden.

MEIN GROSSVATER, DER TÄTER

Sonntag, 14. Dezember, 12.00 Uhr
Villa ten Hompel, Kaiser-Wilhelm-Ring 28, 48145 Münster

Lorenz Hemicker
Vortrag und Gespräch Im Spätherbst 1941 ermorden die SS und ihre Helfer über 27.000 Jüdinnen*Juden im Wald von Rumbula. Die Gruben, in denen die Menschen erschossen werden, konstruiert der SS-Offizier Ernst Hemicker. Verurteilt wird er dafür nie. Lorenz Hemicker wächst Jahrzehnte später mit einer vagen Ahnung auf, welches Verbrechens sich sein Großvater schuldig gemacht hat. Als er mit seinem Vater nach Lettland reisen will, um mehr über diese Taten zu erfahren, stirbt der Vater unerwartet. Für Lorenz Hemicker wird diese Zäsur der Beginn einer jahrelangen Suche nach den Spuren seines Großvaters. Sie führt ihn an den Ort des Massakers, zu Überlebenden des Holocaust in Riga und in die Tiefen deutscher Weltkriegsarchive. Dabei entsteht nicht nur das Bild eines Mannes, der – wie viele andere mit ihm – vom Jedermann zum Täter wird und dessen Taten seinen Sohn und seinen Enkel noch lange über seinen Tod hinaus wie ein Schatten begleiten. Es geht auch um die Fragen von deutscher Schuld und dem Wissen darum in den Familien.
Lorenz Hemicker arbeitet seit 2014 als Redakteur bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Seit 2023 ist er Chef vom Dienst von FAZ.NET.
Kooperation mit: Geschichtsort Villa ten Hompel.

 

LICHTERZÜNDEN ZU CHANUKKA

Sonntag, 14. Dezember 2025, 16:00 Uhr
Maria-Euthymia-Platz (zwischen Clemens- und Servatiikirche)

Jedes Jahr im Dezember, wenn die Städte in unserer Region in das milde Licht der Adventsbeleuchtung getaucht sind, feiern die jüdischen Bürger acht Tage lang Chanukka, das Lichterfest der Juden (nach dem jüdischen Kalender vom 25. Kislew bis zum 2. Tewet). Chanukka erinnert an die Wiedereinweihung des Jerusalemer Tempels im Jahr 3597 (164 v. Chr.). Symbol dieses Lichterfestes ist die Chanukkia, der Leuchter, an dem an acht aufeinanderfolgenden Tagen jeweils ein Licht mehr angezündet wird. Die Jüdische Gemeinde Münster und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster laden ein, vom 14. bis zum 19. Dezember und am 21. Dezember 2025 jeweils um 16:00 Uhr sowie wegen des Schabbats am 20. Dezember 2025 erst um 17:30 Uhr, dabei zu sein, wenn auf dem Maria-Euthymia-Platz ein (weiteres) Licht entzündet wird.

Günter Pelikan, lange Jahre Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Münster, hat in einer Radiosendung die Bedeutung des Festes wie folgt beschrieben:
„Chanukka erinnert uns an den alten Tempel, den die Juden nach der Heimkehr aus der babylonischen Gefangenschaft gebaut hatten. Das ist mehr als 2 ½ Jahrtausende her. Eines Tages wurde uns unser Tempel von den Heiden mit Gewalt weggenommen. Sie verehrten einen Götzen in unserem Gotteshaus. Dagegen erhob sich eine große Schar tapferer Juden, die nach vielen Kämpfen die Stadt Jerusalem von den Heiden zurückeroberten, den Tempel reinigten und ihn neu einweihten für Gott. Als sie das ewige Licht anzünden wollten, merkten sie, dass nur ein Krug Öl übriggeblieben war. Das reichte zum Brennen für die Lampe nur einen Tag. Nach unserer Überlieferung war dieser Krug mit dem Siegel des Hohenpriesters versehen. Und wie durch ein Wunder brannte das Licht acht Tage lang. Seit damals feiern wir Juden alle Jahre wieder acht Tage lang das Lichterfest.“
In der Zeit der Diaspora wurde Chanukka zu einem häuslichen Fest, verbunden mit der Verpflichtung, die Leuchter am Fenster zu platzieren, um die Passanten an das geschehene Wunder zu erinnern.
Symbol dieses Lichterfestes ist die Chanukkia, der Leuchter, an dem an acht aufeinanderfolgenden Tagen jeweils ein Licht mehr angezündet wird. In den letzten Jahren sind in vielen Städten Deutschlands Chanukkiot für die Zeit des Chanukkafestes, also für acht Tage, aufgestellt und unter breiter Beteiligung der Bevölkerung entzündet worden. In Münster wurde das Lichterfest im Jahr 2009 zum ersten Mal öffentlich gefeiert.“

Kooperation mit: Jüdische Gemeinde Münster.

Durchgeführte Veranstaltungen 2025

Weitere bereits in diesem Jahr durchgeführte Veranstaltungen finden Sie im Archiv bei den Tätigkeitsberichten hier…